Anmerkungen zu Mehrsprachigkeit und Sprachenförderung

von Maria Ringler, Marlies Wehner und Mechthild Kleine-Salgar

UN Kinderrechtskonvention:
„Art. 29: Die Vertragsstaaten stimmen darin überein, dass die Bildung des Kindes darauf gerichtet sein muss,... dem Kind Achtung vor seinen Eltern, seiner kulturellen Identität, seiner Sprache und seinen kulturellen Werten, den nationalen Werten des Landes, in dem es lebt, - und gegebenenfalls des Landes, aus dem es stammt, sowie vor anderen Kulturen als der eigenen zu vermitteln.“

Positionen des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften - iaf e.V. dazu, wie mehrsprachige und interkulturelle Erziehung gelingen kann:

* Sprachförderung im mehrsprachigen und interkulturellen Kontext beinhaltet die Förderung aller Sprachen des Kindes.
* Gelebte Mehrsprachigkeit ist für viele Kinder in Deutschland selbstverständlicher Bestandteil ihres Alltags und damit Kompetenz und Ressource.
* Auch künftig werden Kinder aus binationalen und eingewanderten Familien mit sehr unterschiedlichen Sprachkompetenzen in die deutschen Bildungseinrichtungen kommen; sie benötigen eine entsprechend flexible und mehrsprachig orientierte Förderung.
* Im Alter von 3-4 Jahren (Kindergarteneintritt) sind sowohl die einsprachigen als auch die mehrsprachigen Kinder noch voll im Prozess des primären Spracherwerbs. Kinder, die bisher nur ihre nicht-deutsche Familiensprache kennen gelernt haben, benötigen neben der Förderung der Zweitsprache Deutsch weiterhin eine Förderung in ihrer Erstsprache, die über eine alltagssprachliche Förderung hinausgeht. Fachsprachliche und Literacy-Kompetenzen sind unverzichtbar für ihren Bildungserfolg.

Für die Konzeption und Ausgestaltung der Sprachenförderung bedeutet dies:
* Sprachförderkonzepte für Deutsch als Zweitsprache sind verbunden mit einer Wertschätzung der Familiensprachen.
* Förderangebote erwachsen aus der sozialen und pädagogischen Praxis heraus und berücksichtigen den jeweiligen Bedarf einer Einrichtung und ihrer Kinder bzw. der Familien.
* Sprachenförderung braucht Kontinuität, insbesondere bei der Gestaltung von Übergängen.
* Eltern brauchen umfassende Bildungsinformation und Beratung sowie die Stärkung ihrer Erziehungskompetenz bei der Sprachenförderung.
* Sprachenförderung braucht die ebenbürtige Zusammenarbeit aller Bildungsbeteiligten; dies wird durch eine lokale Vernetzung unterstützt.

Konkret kann Förderung von Mehrsprachigkeit erfolgen durch die Wertschätzung aller Sprachen der Kinder im pädagogischen Alltag sowie die positive Thematisierung von Sprachenvielfalt in unserer Gesellschaft. Die sprachbewusste Erziehung ist eingebettet in eine grundsätzliche interkulturelle Öffnung pädagogischer Einrichtungen, sichtbar durch die Präsenz mehrsprachiger MitarbeiterInnen im Team und entsprechende Materialien sowie durch eine Zusammenarbeit mit Eltern, die diese als Partner anspricht und bei Bedarf qualifiziert.

Der geschärfte Blick auf die Kompetenzen und Ressourcen der Mehrsprachigkeit muss in der Gestaltung der Bildungsarbeit und ihrer Institutionen sichtbar werden: Wir brauchen entsprechend erweiterte Curricula für die Aus- und Weiterbildung, und kurzfristig sind vor allem praxisnahe Qualifizierungen und Fortbildungen - z. B. durch kontinuierliche Teambegleitung und Beratung - anzubieten.



Verband binationaler Familien und Partnerschaften
- iaf e. V.

Maria Ringler
(Bundesgeschäftsstelle Frankfurt/FB interkulturelle Bildung)
Marlies Wehner/Mechthild Kleine-Salgar
(Regionalgruppe Bonn, Projekt Vielfalt gestalten)








Den kompletten Text "Anmerkungen zur Mehrsprachigkeit und Sprachförderung" hier als PDF (28kB)