„Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ -
Rückblick auf die Arbeit im pädagogischen Schwerpunkt des Projektes in Bonn
von Maria Ringler, Verband binationaler Familien und Partnerschaften
Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V. konnte als Kooperationspartner in diesem Projekt drei Teams städtischer Kindertagesstätten zu Fragen der interkulturellen Pädagogik, zur vorurteilsbewussten und mehrsprachigen Erziehung schulen und über 2 Jahre begleiten.
Der Blick auf die Kinder
„Ich heiße Suheyla und bin 5 Jahre alt. Zu meiner Familie gehören mein Papa, meine Mama, mein kleiner Bruder Sami und meine große Schwester Faridah. Ich kann Türkisch sprechen, schon viel Deutsch und ein bisschen Arabisch. Das spricht mein Papa mit meiner Oma aus Essen. Sei haben beide früher im Irak gewohnt. Meine andere Oma und mein Opa wohnen in der Türkei. Ich mag Malen und Fahrrad fahren und höre gerne arabische Musik. Mein Lieblingsessen ist Spaghetti mit Tomatensoße.“
Suheyla spricht hier für viele Kinder in ihrem Kindergarten. Viele Kinder haben Eltern, die zugewandert sind, in ihrem Familienleben treffen sich unterschiedliche kulturelle Welten, viele von ihnen wachsen mehrsprachig auf und bringen vielfältige Erfahrungen mit. Diese besonderen Erfahrungen und Kompetenzen finden jedoch in ihrem Kindergartenalltag oft keine Beachtung. Vielmehr werden Kinder wie Suheyla nicht nur als anders, sondern als schwierig oder sogar als Problemkinder wahrgenommen. Manchmal deshalb weil ihre Sprachkompetenzen im Deutschen nicht denen einsprachig Deutsch aufwachsender Kinder entsprechen, manchmal auch nur weil sie „sichtbar anders“ sind oder „fremd“ erscheinen.
Aber auch andere Aspekte von Vielfalt wirken sich im pädagogischen Alltag der Kitas aus. Oft werden nur interkulturelle Unterschiede in den Mittelpunkt gestellt, obwohl Verschiedenheit auch an anderen Kriterien festzumachen ist, die je nach Bewertung zu Ausgrenzung führen.
Das Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ nahm daher alle Kinder in den Blick und versuchte mit seinen pädagogischen Angeboten und Materialien zum einen diese Kinder und ihre Familien zu stärken zum anderen Erzieher/-innen und pädagogische Fachkräften zu qualifizieren mit den vielfältigen Lern- und Lebensbedingungen der Kinder im Arbeitsalltag kompetent umzugehen. Denn gerade Erzieher/-innen, Lehrer/innen und pädagogischen Fachkräfte haben die Aufgabe, allen Kindern die Lern- und Entwicklungsbedingungen zu bieten, die sie benötigen, unabhängig davon welche Herkunft die Kinder haben oder wo sie in Zukunft leben werden und welche Besonderheiten sie mitbringen.
Der Blick auf die Kinder
„Ich heiße Suheyla und bin 5 Jahre alt. Zu meiner Familie gehören mein Papa, meine Mama, mein kleiner Bruder Sami und meine große Schwester Faridah. Ich kann Türkisch sprechen, schon viel Deutsch und ein bisschen Arabisch. Das spricht mein Papa mit meiner Oma aus Essen. Sei haben beide früher im Irak gewohnt. Meine andere Oma und mein Opa wohnen in der Türkei. Ich mag Malen und Fahrrad fahren und höre gerne arabische Musik. Mein Lieblingsessen ist Spaghetti mit Tomatensoße.“
Suheyla spricht hier für viele Kinder in ihrem Kindergarten. Viele Kinder haben Eltern, die zugewandert sind, in ihrem Familienleben treffen sich unterschiedliche kulturelle Welten, viele von ihnen wachsen mehrsprachig auf und bringen vielfältige Erfahrungen mit. Diese besonderen Erfahrungen und Kompetenzen finden jedoch in ihrem Kindergartenalltag oft keine Beachtung. Vielmehr werden Kinder wie Suheyla nicht nur als anders, sondern als schwierig oder sogar als Problemkinder wahrgenommen. Manchmal deshalb weil ihre Sprachkompetenzen im Deutschen nicht denen einsprachig Deutsch aufwachsender Kinder entsprechen, manchmal auch nur weil sie „sichtbar anders“ sind oder „fremd“ erscheinen.
Aber auch andere Aspekte von Vielfalt wirken sich im pädagogischen Alltag der Kitas aus. Oft werden nur interkulturelle Unterschiede in den Mittelpunkt gestellt, obwohl Verschiedenheit auch an anderen Kriterien festzumachen ist, die je nach Bewertung zu Ausgrenzung führen.
Das Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ nahm daher alle Kinder in den Blick und versuchte mit seinen pädagogischen Angeboten und Materialien zum einen diese Kinder und ihre Familien zu stärken zum anderen Erzieher/-innen und pädagogische Fachkräften zu qualifizieren mit den vielfältigen Lern- und Lebensbedingungen der Kinder im Arbeitsalltag kompetent umzugehen. Denn gerade Erzieher/-innen, Lehrer/innen und pädagogischen Fachkräfte haben die Aufgabe, allen Kindern die Lern- und Entwicklungsbedingungen zu bieten, die sie benötigen, unabhängig davon welche Herkunft die Kinder haben oder wo sie in Zukunft leben werden und welche Besonderheiten sie mitbringen.
Maria Ringler, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, auf der Fachtagung "Sprachen fördern in Kindergarten und Elternhaus"
Der vorurteilsbewusste Blick
Bereits in den ersten Lebensjahren beginnen Kinder, sich ein Bild von der Welt und von sich zu machen. Sie erleben wie Menschen miteinander umgehen, was Beachtung findet, was als wertvoll und wichtig betrachtet wird und was nicht beachtenswert ist. Sie vergleichen sich und andere, ihre Familien, ihr Alltagsleben und entwickeln ein Bild davon, was in ihrem Umfeld als normal und richtig gilt und was nicht. Dabei erfahren sie, dass Menschen nach bestimmten Merkmalen eingeordnet werden. Zu diesen Merkmalen zählen das Aussehen, körperliche und geistige Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen, das Geschlecht, aber auch ob jemand Geld hat oder nicht, in einer kleinen Wohnung oder in einem großen Haus lebt und ob jemand aus einem anderen Land kommt und ob diese Herkunft als Gewinn oder Makel gesehen wird. Alle diese Merkmale entscheiden darüber, ob jemand etwas zu sagen hat, ob jemand dazu gehört oder nicht, wer sich viel oder wenig anstrengen muss, um bestimmte Ziele zu erreichen.
Kinder übernehmen solche Bewertungsgefüge und den Platz, der ihnen, ihrer Familie und ihrer sozialen Gruppe zugewiesen wird. Je nachdem, wo sie sich wieder finden, fühlen sie sich mehr oder weniger anerkannt oder abgelehnt, dazugehörig oder ausgegrenzt und entwickeln je nachdem ein stärkeres oder schwächeres Selbstwertgefühl.
Um diese Zuschreibungen aufzubrechen, kommt nicht nur der Erziehungsleistung der Eltern eine große Bedeutung zu, sondern vor allem der Arbeit der Erzieher/-innen und pädagogischen Fachkräfte im Kindergarten.
„Mit dem, was wir in den Kindertageseinrichtungen tun, setzen wir den Anfang für das, was mit Kindern in unserer Gesellschaft geschieht. Wir sind die Brücke zwischen den Familien und der Gesellschaft und haben daher eine sehr bedeutsame Aufgabe gegenüber Kindern“
Dieses Zitat von Luise Derman-Sparks, der Begründerin des „Anti-Bias-Ansatzes“ zeigt die Bedeutung der pädagogischen Arbeit im vorschulischen Bereich. Ausgangspunkt von Derman-Sparks Überlegungen war folgende Beobachtung: Bereits Kleinkinder erlernen Stereotype und Vorurteile, um sie ihrerseits bei der Aneignung und Deutung der Welt, der Bewertung der eigenen Person und der Einschätzung anderer Menschen zu nutzen. Daraufhin entwickelte sie mit ihrem Team Methoden, um unfaires Verhalten und Diskriminierung bereits bei kleinen Kindern zu thematisieren.
„Anti-Bias-Arbeit“ kann am ehesten als „Anti-Voreingenommenheits-Arbeit“ übersetzt werden. Sie geht davon aus, dass wir unsere diskriminierende Haltung anderen gegenüber erkennen und alternative, vorurteils-bewusste Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten entwickeln können. Dabei beziehen sich die Voreingenommenheiten auf die verschiedenen gesellschaftlich wirkenden Hierarchien, die ein System der Einbindung und Ausgrenzung begründen. In sozialen Gruppen, so auch in Kitas und Kindergruppen, spielen Haltungen und Bewertungen gegenüber Menschen eine zentrale Rolle. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Merkmale wie Sprache, Aussehen, körperliche Merkmale usw. Um Kindern positive Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt, Wertschätzung und Beispiele solidarischen Handelns für Situationen der Ausgrenzung und Diskriminierung zu ermöglichen, wird im Rahmen der „Anti-Bias-Arbeit“ zuerst bei den verantwortlichen Erwachsenen, also den pädagogischen Fachkräfte und Eltern angesetzt. Sie sollen sensibilisiert werden und ihre Verantwortung als Vorbilder in Bezug auf vorurteilsbewusstes Lernen erkennen.
Bereits in den ersten Lebensjahren beginnen Kinder, sich ein Bild von der Welt und von sich zu machen. Sie erleben wie Menschen miteinander umgehen, was Beachtung findet, was als wertvoll und wichtig betrachtet wird und was nicht beachtenswert ist. Sie vergleichen sich und andere, ihre Familien, ihr Alltagsleben und entwickeln ein Bild davon, was in ihrem Umfeld als normal und richtig gilt und was nicht. Dabei erfahren sie, dass Menschen nach bestimmten Merkmalen eingeordnet werden. Zu diesen Merkmalen zählen das Aussehen, körperliche und geistige Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen, das Geschlecht, aber auch ob jemand Geld hat oder nicht, in einer kleinen Wohnung oder in einem großen Haus lebt und ob jemand aus einem anderen Land kommt und ob diese Herkunft als Gewinn oder Makel gesehen wird. Alle diese Merkmale entscheiden darüber, ob jemand etwas zu sagen hat, ob jemand dazu gehört oder nicht, wer sich viel oder wenig anstrengen muss, um bestimmte Ziele zu erreichen.
Kinder übernehmen solche Bewertungsgefüge und den Platz, der ihnen, ihrer Familie und ihrer sozialen Gruppe zugewiesen wird. Je nachdem, wo sie sich wieder finden, fühlen sie sich mehr oder weniger anerkannt oder abgelehnt, dazugehörig oder ausgegrenzt und entwickeln je nachdem ein stärkeres oder schwächeres Selbstwertgefühl.
Um diese Zuschreibungen aufzubrechen, kommt nicht nur der Erziehungsleistung der Eltern eine große Bedeutung zu, sondern vor allem der Arbeit der Erzieher/-innen und pädagogischen Fachkräfte im Kindergarten.
„Mit dem, was wir in den Kindertageseinrichtungen tun, setzen wir den Anfang für das, was mit Kindern in unserer Gesellschaft geschieht. Wir sind die Brücke zwischen den Familien und der Gesellschaft und haben daher eine sehr bedeutsame Aufgabe gegenüber Kindern“
Dieses Zitat von Luise Derman-Sparks, der Begründerin des „Anti-Bias-Ansatzes“ zeigt die Bedeutung der pädagogischen Arbeit im vorschulischen Bereich. Ausgangspunkt von Derman-Sparks Überlegungen war folgende Beobachtung: Bereits Kleinkinder erlernen Stereotype und Vorurteile, um sie ihrerseits bei der Aneignung und Deutung der Welt, der Bewertung der eigenen Person und der Einschätzung anderer Menschen zu nutzen. Daraufhin entwickelte sie mit ihrem Team Methoden, um unfaires Verhalten und Diskriminierung bereits bei kleinen Kindern zu thematisieren.
„Anti-Bias-Arbeit“ kann am ehesten als „Anti-Voreingenommenheits-Arbeit“ übersetzt werden. Sie geht davon aus, dass wir unsere diskriminierende Haltung anderen gegenüber erkennen und alternative, vorurteils-bewusste Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten entwickeln können. Dabei beziehen sich die Voreingenommenheiten auf die verschiedenen gesellschaftlich wirkenden Hierarchien, die ein System der Einbindung und Ausgrenzung begründen. In sozialen Gruppen, so auch in Kitas und Kindergruppen, spielen Haltungen und Bewertungen gegenüber Menschen eine zentrale Rolle. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Merkmale wie Sprache, Aussehen, körperliche Merkmale usw. Um Kindern positive Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt, Wertschätzung und Beispiele solidarischen Handelns für Situationen der Ausgrenzung und Diskriminierung zu ermöglichen, wird im Rahmen der „Anti-Bias-Arbeit“ zuerst bei den verantwortlichen Erwachsenen, also den pädagogischen Fachkräfte und Eltern angesetzt. Sie sollen sensibilisiert werden und ihre Verantwortung als Vorbilder in Bezug auf vorurteilsbewusstes Lernen erkennen.
Hildegard Lützeler, Leiterin der Kita "Rasselbande", vor der Familienwänd
Der Blick auf die Erzieher/-innen
„Vorurteilsbewusste Arbeit in der Kita heißt, dass Erzieher/-innen bei Selbst- und Praxisreflexionen insbesondere die bestehenden Macht- und Dominanzverhältnisse fokussieren, dass sie diskriminierende und ausgrenzende Strukturen in der Institution Kita erkennen und ihr persönliches und fachliches Handeln in diesen Strukturen hinterfragen.“
Vorurteilsbewusstes Lernen basiert auf Selbstreflexion und der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Schieflagen. Um als Erzieher/in und pädagogische Fachkraft vorurteilsbewusst arbeiten zu können, muss die Bedeutung der eigenen Position erkannt, müssen eigene Erfahrungen und persönliche Entwicklungen in den Blick genommen werden.
Erst dann ist es möglich zu erkennen, wie sich auch gesellschaftliche Schieflagen auf die Arbeit mit den Kindern auswirken und erst dann kann das breite Spektrum von Privilegien und Benachteilungen in der Einrichtung gesehen und bei der Arbeit berücksichtigt werden.
Die Auseinandersetzung mit Methoden und Denkweisen des „Anti-Bias-Ansatzes“ kann daher nicht in Form einer einmaligen Fortbildungsmaßnahme gelingen, bei der ein allgemeingültiges Patentrezept vermittelt wird. Vielmehr erfordert die Entscheidung zu vorurteilsbewusster Arbeit die Bereitschaft, sich auf einen Entwicklungsprozess einzulassen, dessen Entwicklungsschritte individuell sehr unterschiedlich und manchmal auch schmerzhaft verlaufen können.
Für die Arbeit im Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ bedeutete dies:
Die Teams der beteiligten Kitas haben den Prozess gemeinsam mit den für die pädagogische Arbeit Verantwortlichen Trainerinnen vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften begonnen und sind bereit, die weitere Entwicklung – auch über die Projektdauer hinaus – in ihrer Kita gemeinsam zu gestalten. Dabei wird dem Team ein hohes Maß an Engagement und Offenheit abverlangt. Die Bereitschaft zum regelmäßigen gegenseitigem Austausch und zur Aufarbeitung und Reflexion der eigenen Haltung ist dabei ebenso von Bedeutung wie die Qualifizierung und Schulung im Rahmen von spezifischen Fortbildungseinheiten.
Der erfahrungsorientierte Ansatz der „Anti-Bias-Arbeit“ setzt zudem am Bedarf des jeweiligen Teams und der jeweiligen Einrichtung an und orientiert sich an den vorhandenen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen. Ein flexibles Fortbildungskonzept, das zeit- und praxisnah auf die Entwicklungen im Team und in der jeweiligen Kita reagieren kann, ist deshalb unabdingbar.
Der Qualifizierungs-Blick
Fachkräfte, die interkulturell und vorurteilsbewusst arbeiten wollen, stoßen oft an ihre Grenzen. Sie sollen die Erziehung der Familie ergänzen, haben aber dabei ein Familienbild vor Augen, das der Realität in vieler Hinsicht nicht entspricht, sie sollen Kinder auf die Schule vorbereiten, sollen Integrationsarbeit leisten, sollen den angemessenen Umgang mit Konflikten einüben und vieles mehr. Das alles ist aber im Rahmen der herkömmlichen Maßstäbe nicht zu leisten.
Im Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ wurden deshalb einzelne thematische „Entwicklungswerkstätten“ mit jeweils einem Schwerpunktthema pro Kindergartenhalbjahr durchgeführt. Hier erhielten die Kita-Teams einen Raum und pädagogischen Rahmen um ihre einrichtungs- und teamspezifischen Bedarfe und Wünsche, Problemlagen und Zukunftspläne besprechen und bearbeiten zu können. Die Schwerpunktthemen waren:
„Familienkulturen sichtbar machen“
Für alle Kinder ist es wichtig, die Erfahrung zu machen, dass Gleichwertigkeit und Akzeptanz den Umgang miteinander bestimmen und nicht Regeln der Über- und Unterordnung. Nur so können sie Selbstvertrauen und eine gefestigte Identität entwickeln. Ein entscheidender Teil der Identität wird durch die Familie sowie die soziokulturelle Bezugsgruppe geprägt, der ein Kind angehört. Kinder bei der Herausbildung einer positiven Identität zu unterstützen bedeutet daher auch ausdrücklich die Akzeptanz der Familie und der kulturellen Wurzeln und ihre Einbeziehung in den Kindergartenalltag. Die Entwicklungswerkstätte sollte das Team ermuntern eigene Strategie und Methoden zu entwickeln, damit in ihrer Einrichtung die Familien und die Kinder in ihrer Individualität sichtbar werden. Die dabei erstellten Familienwände waren ein großer Erfolg. Viele Eltern beteiligten sich aktiv, lieferten Fotos und Zeichnungen und schrieben Kommentare in ihren Sprachen. Dabei erlebten sie das gegenseitige Kennen lernen als besondere Wertschätzung.
„Material- und Raumgestaltung für vorurteilsbewusstes Lernen“
Hier galt es zunächst zu analysieren wie die Einrichtungen im einzelnen ausgestattet sind, mit welchen Materialien bevorzugt gearbeitet wird, ob und wie sich die Interkulturalität der Kinder in den Materialien und der Raumausstattung wieder findet. Der Gang durch die Kita machte deutlich, dass so manches Spielzeug dringend entrümpelt werden musste, weil es Vorurteile verfestigt. Andererseits fehlten Materialien, die gesellschaftliche Vielfalt als Normalität vermitteln, beispielsweise bei der Ausstattung von Kaufladen oder Puppenecke. Vieles was in Bildern, Geschichten und Liedern die Alltagswelt der Kinder und ihrer Familien wieder spiegeln soll, bezog sich ausschließlich auf Lebensweise und Wertvorstellungen der gesellschaftlichen Mehrheitsgruppe.
Gemeinsam entwickelten die Teams Ideen zur Veränderung und machten erste Schritte zu einem vorurteilsbewussten Umgang bei der Ausstattung ihrer Kita. Oft genügt es dabei bereits, Materialien bewusster und reflektierter einzusetzen. Der rosafarbene Buntstift, der als sogenannter „Hautmalstift“ benutzt wird, kann durch weitere Hautmalstifte in vielen verschiedenen Hauttönen ergänzt werden. In der Bauecke kann neben der Kirche auch ein Moscheebausatz zum Einsatz kommen.
„Mehrsprachigkeit fördern“
Sprache ist nichts äußerliches wie ein Kleid, dass man anziehen kann oder nicht. Sprachen erschließen sich nicht im Vokabellernen. Für zwei- und mehrsprachig aufwachsende Kinder verdeutlichen die Sprachen unterschiedliche Denk- und Verhaltensmuster, erschließen innere Bilder und bündeln kulturelle Traditionen. Die mit den Sprachen vermittelten Werthorizonte prägen die Entwicklung der Kinder, sind Teil ihrer Identitätsbildung. Die Sprachen ermöglichen ihnen den Zugang zur eigenen Familie und Familiengeschichte und bilden somit auch die Grundlage für Zugehörigkeit und Akzeptanz.
Die Kommunikation in mehr als einer Sprache hat so viele Facetten wie Akteur/-innen am Werk sind. Mehrsprachige Menschen sammeln Erfahrungen in mehreren Sprachwelten und ihnen fällt es oft leicht noch weitere Sprache zu lernen. Es gibt darüber hinaus gute Gründe zu vermuten, dass Mehrsprachige früher und wirkungsvoller als Einsprachige für soziale Flexibilität disponiert sein können.
Doch zwei- oder mehrsprachig leben in einer sich einsprachig verstehenden Welt, das geht nicht ohne weiteres zusammen. Mehrsprachigkeit ist jedoch eine reelle Handlungsbedingung in deutschen Kindergärten und war daher auch ein zentrales Thema bei der Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften der am Projekt beteiligten Einrichtungen.
Zum Thema „Sprachen fördern in Kindergarten und Elternhaus“ fand im März 2009 eine Fachtagung statt, deren Inhalte anschließend in den Kitas vertieft bearbeitet wurden. Jedes Team entwickelte eigene Ideen zum vorurteilsbewussten Umgang mit Sprache und zur Förderung von Mehrsprachigkeit, z.B. durch die Herstellung mehrsprachiger Hörbücher. Mit Unterstützung der Eltern wurden gezielt Bilderbücher in all den in den Kitas vertretenen Familiensprachen eingesetzt.
Der Blick auf die Erziehungszusammenarbeit
Vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita schließt immer auch die vorurteilsbewusste Zusammenarbeit mit den Eltern ein. Die Eltern werden daher nicht nur über den Ansatz informiert, sondern sie sind ausdrücklich aufgefordert, die Arbeit aktiv mit zu tragen und mit zu gestalten. Kindergarten und Familie sind bei der Erziehung gleichwertige Partner, die im Interesse der Kinder eine gute Form der Zusammenarbeit finden müssen. Das Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ unterstützt und stärkt deshalb nicht nur die pädagogischen Fachkräfte sondern auch die Eltern.
Alle Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine gute Entwicklung, Erziehung und Bildung. Sie sind bereit, diese Prozesse zu unterstützen und zu fördern. Nicht alle Eltern sind aber dazu gleichermaßen in der Lage. Zum Teil benötigen sie selbst Unterstützung, Informationen und
Ermutigung für eine aktive Beteiligung und manchmal erfordert es eine „andere Art“ der Kommunikation und Ansprache, um die Eltern zu erreichen.
Gegenseitige Wertschätzung und Offenheit für die besonderen Lebensbedingungen der Familien sowie Anerkennung und Stärkung der elterlichen Kompetenzen sind Voraussetzungen für eine ebenbürtige Erziehungszusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kindergarten.
Ausblick
Mit dem Projekt konnte in den beteiligten Einrichtungen ein viel versprechender Entwicklungsprozess begonnen werden: die Verankerung des Ansatzes vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung. Das Interesse an dieser Form pädagogischer Arbeit konnte geweckt werden, es braucht jedoch weiterhin Unterstützung, damit nachhaltige Ergebnisse erzielt werden können. Der hier begonnene Weg mit bedarfsgerechten Fortbildungsangeboten und Teamworkshops individuell auf die einzelnen Einrichtungen einzugehen, erscheint ein guter Weg, der darüber hinaus auch die Familien mit ihren individuellen Familienkulturen und Sprachen stärker einbindet und einen differenzierten und wertschätzenden Blick auf Kinder wie Suheyla einfordert.
Bonn/ Frankfurt im Juli 2009
„Vorurteilsbewusste Arbeit in der Kita heißt, dass Erzieher/-innen bei Selbst- und Praxisreflexionen insbesondere die bestehenden Macht- und Dominanzverhältnisse fokussieren, dass sie diskriminierende und ausgrenzende Strukturen in der Institution Kita erkennen und ihr persönliches und fachliches Handeln in diesen Strukturen hinterfragen.“
Vorurteilsbewusstes Lernen basiert auf Selbstreflexion und der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Schieflagen. Um als Erzieher/in und pädagogische Fachkraft vorurteilsbewusst arbeiten zu können, muss die Bedeutung der eigenen Position erkannt, müssen eigene Erfahrungen und persönliche Entwicklungen in den Blick genommen werden.
Erst dann ist es möglich zu erkennen, wie sich auch gesellschaftliche Schieflagen auf die Arbeit mit den Kindern auswirken und erst dann kann das breite Spektrum von Privilegien und Benachteilungen in der Einrichtung gesehen und bei der Arbeit berücksichtigt werden.
Die Auseinandersetzung mit Methoden und Denkweisen des „Anti-Bias-Ansatzes“ kann daher nicht in Form einer einmaligen Fortbildungsmaßnahme gelingen, bei der ein allgemeingültiges Patentrezept vermittelt wird. Vielmehr erfordert die Entscheidung zu vorurteilsbewusster Arbeit die Bereitschaft, sich auf einen Entwicklungsprozess einzulassen, dessen Entwicklungsschritte individuell sehr unterschiedlich und manchmal auch schmerzhaft verlaufen können.
Für die Arbeit im Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ bedeutete dies:
Die Teams der beteiligten Kitas haben den Prozess gemeinsam mit den für die pädagogische Arbeit Verantwortlichen Trainerinnen vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften begonnen und sind bereit, die weitere Entwicklung – auch über die Projektdauer hinaus – in ihrer Kita gemeinsam zu gestalten. Dabei wird dem Team ein hohes Maß an Engagement und Offenheit abverlangt. Die Bereitschaft zum regelmäßigen gegenseitigem Austausch und zur Aufarbeitung und Reflexion der eigenen Haltung ist dabei ebenso von Bedeutung wie die Qualifizierung und Schulung im Rahmen von spezifischen Fortbildungseinheiten.
Der erfahrungsorientierte Ansatz der „Anti-Bias-Arbeit“ setzt zudem am Bedarf des jeweiligen Teams und der jeweiligen Einrichtung an und orientiert sich an den vorhandenen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen. Ein flexibles Fortbildungskonzept, das zeit- und praxisnah auf die Entwicklungen im Team und in der jeweiligen Kita reagieren kann, ist deshalb unabdingbar.
Der Qualifizierungs-Blick
Fachkräfte, die interkulturell und vorurteilsbewusst arbeiten wollen, stoßen oft an ihre Grenzen. Sie sollen die Erziehung der Familie ergänzen, haben aber dabei ein Familienbild vor Augen, das der Realität in vieler Hinsicht nicht entspricht, sie sollen Kinder auf die Schule vorbereiten, sollen Integrationsarbeit leisten, sollen den angemessenen Umgang mit Konflikten einüben und vieles mehr. Das alles ist aber im Rahmen der herkömmlichen Maßstäbe nicht zu leisten.
Im Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ wurden deshalb einzelne thematische „Entwicklungswerkstätten“ mit jeweils einem Schwerpunktthema pro Kindergartenhalbjahr durchgeführt. Hier erhielten die Kita-Teams einen Raum und pädagogischen Rahmen um ihre einrichtungs- und teamspezifischen Bedarfe und Wünsche, Problemlagen und Zukunftspläne besprechen und bearbeiten zu können. Die Schwerpunktthemen waren:
„Familienkulturen sichtbar machen“
Für alle Kinder ist es wichtig, die Erfahrung zu machen, dass Gleichwertigkeit und Akzeptanz den Umgang miteinander bestimmen und nicht Regeln der Über- und Unterordnung. Nur so können sie Selbstvertrauen und eine gefestigte Identität entwickeln. Ein entscheidender Teil der Identität wird durch die Familie sowie die soziokulturelle Bezugsgruppe geprägt, der ein Kind angehört. Kinder bei der Herausbildung einer positiven Identität zu unterstützen bedeutet daher auch ausdrücklich die Akzeptanz der Familie und der kulturellen Wurzeln und ihre Einbeziehung in den Kindergartenalltag. Die Entwicklungswerkstätte sollte das Team ermuntern eigene Strategie und Methoden zu entwickeln, damit in ihrer Einrichtung die Familien und die Kinder in ihrer Individualität sichtbar werden. Die dabei erstellten Familienwände waren ein großer Erfolg. Viele Eltern beteiligten sich aktiv, lieferten Fotos und Zeichnungen und schrieben Kommentare in ihren Sprachen. Dabei erlebten sie das gegenseitige Kennen lernen als besondere Wertschätzung.
„Material- und Raumgestaltung für vorurteilsbewusstes Lernen“
Hier galt es zunächst zu analysieren wie die Einrichtungen im einzelnen ausgestattet sind, mit welchen Materialien bevorzugt gearbeitet wird, ob und wie sich die Interkulturalität der Kinder in den Materialien und der Raumausstattung wieder findet. Der Gang durch die Kita machte deutlich, dass so manches Spielzeug dringend entrümpelt werden musste, weil es Vorurteile verfestigt. Andererseits fehlten Materialien, die gesellschaftliche Vielfalt als Normalität vermitteln, beispielsweise bei der Ausstattung von Kaufladen oder Puppenecke. Vieles was in Bildern, Geschichten und Liedern die Alltagswelt der Kinder und ihrer Familien wieder spiegeln soll, bezog sich ausschließlich auf Lebensweise und Wertvorstellungen der gesellschaftlichen Mehrheitsgruppe.
Gemeinsam entwickelten die Teams Ideen zur Veränderung und machten erste Schritte zu einem vorurteilsbewussten Umgang bei der Ausstattung ihrer Kita. Oft genügt es dabei bereits, Materialien bewusster und reflektierter einzusetzen. Der rosafarbene Buntstift, der als sogenannter „Hautmalstift“ benutzt wird, kann durch weitere Hautmalstifte in vielen verschiedenen Hauttönen ergänzt werden. In der Bauecke kann neben der Kirche auch ein Moscheebausatz zum Einsatz kommen.
„Mehrsprachigkeit fördern“
Sprache ist nichts äußerliches wie ein Kleid, dass man anziehen kann oder nicht. Sprachen erschließen sich nicht im Vokabellernen. Für zwei- und mehrsprachig aufwachsende Kinder verdeutlichen die Sprachen unterschiedliche Denk- und Verhaltensmuster, erschließen innere Bilder und bündeln kulturelle Traditionen. Die mit den Sprachen vermittelten Werthorizonte prägen die Entwicklung der Kinder, sind Teil ihrer Identitätsbildung. Die Sprachen ermöglichen ihnen den Zugang zur eigenen Familie und Familiengeschichte und bilden somit auch die Grundlage für Zugehörigkeit und Akzeptanz.
Die Kommunikation in mehr als einer Sprache hat so viele Facetten wie Akteur/-innen am Werk sind. Mehrsprachige Menschen sammeln Erfahrungen in mehreren Sprachwelten und ihnen fällt es oft leicht noch weitere Sprache zu lernen. Es gibt darüber hinaus gute Gründe zu vermuten, dass Mehrsprachige früher und wirkungsvoller als Einsprachige für soziale Flexibilität disponiert sein können.
Doch zwei- oder mehrsprachig leben in einer sich einsprachig verstehenden Welt, das geht nicht ohne weiteres zusammen. Mehrsprachigkeit ist jedoch eine reelle Handlungsbedingung in deutschen Kindergärten und war daher auch ein zentrales Thema bei der Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften der am Projekt beteiligten Einrichtungen.
Zum Thema „Sprachen fördern in Kindergarten und Elternhaus“ fand im März 2009 eine Fachtagung statt, deren Inhalte anschließend in den Kitas vertieft bearbeitet wurden. Jedes Team entwickelte eigene Ideen zum vorurteilsbewussten Umgang mit Sprache und zur Förderung von Mehrsprachigkeit, z.B. durch die Herstellung mehrsprachiger Hörbücher. Mit Unterstützung der Eltern wurden gezielt Bilderbücher in all den in den Kitas vertretenen Familiensprachen eingesetzt.
Der Blick auf die Erziehungszusammenarbeit
Vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita schließt immer auch die vorurteilsbewusste Zusammenarbeit mit den Eltern ein. Die Eltern werden daher nicht nur über den Ansatz informiert, sondern sie sind ausdrücklich aufgefordert, die Arbeit aktiv mit zu tragen und mit zu gestalten. Kindergarten und Familie sind bei der Erziehung gleichwertige Partner, die im Interesse der Kinder eine gute Form der Zusammenarbeit finden müssen. Das Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“ unterstützt und stärkt deshalb nicht nur die pädagogischen Fachkräfte sondern auch die Eltern.
Alle Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine gute Entwicklung, Erziehung und Bildung. Sie sind bereit, diese Prozesse zu unterstützen und zu fördern. Nicht alle Eltern sind aber dazu gleichermaßen in der Lage. Zum Teil benötigen sie selbst Unterstützung, Informationen und
Ermutigung für eine aktive Beteiligung und manchmal erfordert es eine „andere Art“ der Kommunikation und Ansprache, um die Eltern zu erreichen.
Gegenseitige Wertschätzung und Offenheit für die besonderen Lebensbedingungen der Familien sowie Anerkennung und Stärkung der elterlichen Kompetenzen sind Voraussetzungen für eine ebenbürtige Erziehungszusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kindergarten.
Ausblick
Mit dem Projekt konnte in den beteiligten Einrichtungen ein viel versprechender Entwicklungsprozess begonnen werden: die Verankerung des Ansatzes vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung. Das Interesse an dieser Form pädagogischer Arbeit konnte geweckt werden, es braucht jedoch weiterhin Unterstützung, damit nachhaltige Ergebnisse erzielt werden können. Der hier begonnene Weg mit bedarfsgerechten Fortbildungsangeboten und Teamworkshops individuell auf die einzelnen Einrichtungen einzugehen, erscheint ein guter Weg, der darüber hinaus auch die Familien mit ihren individuellen Familienkulturen und Sprachen stärker einbindet und einen differenzierten und wertschätzenden Blick auf Kinder wie Suheyla einfordert.
Bonn/ Frankfurt im Juli 2009




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