Rahmenkriterien für die weitere Arbeit in den Projektkitas von Vielfalt gestalten
Rahmenkriterien, entwickelt vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V., zur Fortsetzung der pädagogischen Arbeit durch die 3 Bonner Projekt-Kitas im Projekt „Vielfalt gestalten – Integration im Kindergarten“
Grundlegendes Ziel der Zusammenarbeit mit den Projekt-Kitas ist es, Prinzipien vorurteilsbewussten Lernens in der pädagogischen Arbeit zu verankern und dabei pädagogische Fachkräfte, Kinder und ihre Familien an einem gemeinsamen Entwicklungsprozess zu beteiligen. Aufgrund des einrichtungsspezifischen und teambezogenen Qualifizierungsansatzes erfolgte eine intensive Begleitung während der bisherigen Projektphasen.
Folgende aufeinander aufbauende Entwicklungsschritte sind zentrale Projektstationen:
- Fortbildungseinheiten für Kita-Teams zur Selbstreflexion,
- Entwicklungswerkstätten, in denen Erkenntnisse auf den Kita-Alltag übertragen werden,
- Elternarbeit, die analog zu den thematischen Schwerpunkten erfolgt,
- Leiter/-innen-Fortbildungen zu spezifischen Fragen,
- ergänzendes Beratungsangebot durch eine „Interkulturelle Hotline“,
- Verfestigung der Ergebnisse aus den genannten Arbeitsschritten durch strukturelle, organisatorische und pädagogische Einbindung in den Kita-Alltag.
Nach erfolgreicher Implementierung des pädagogischen Konzeptes ist die Sicherung der Nachhaltigkeit vorrangige Aufgabe. Hier wird den Kita-Teams bzw. den Leitungen die Umsetzung verantwortlich übertragen.
Ein Vorgehen in 5 Qualifizierungsschritten bietet sich als Handlungsleitfaden für die Kita-Teams an:
1. Zielsetzung und Rahmenbedingungen
Von den Kita-Teams ist auch nach erfolgter Einführung des Anti-Bias-Ansatzes von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob dieses Konzept weiterhin Gültigkeit haben soll oder ob sich wesentliche Voraussetzungen für seine Umsetzung verändert haben. Arbeitet das Team noch nach den einmal vereinbarten Grundsätzen?
Der Anti-Bias-Ansatz basiert auf einer intensiven Dialogkultur und erfordert somit auch Zeit und Raum für die Durchführung von Dialogen zwischen den Beteiligten. D.h. für den Kita-Alltag: Es braucht eine feste Struktur, zeitliche und personelle Ressourcen, die einen regelmäßigen Austausch ermöglichen. Die Kita-Leitung übernimmt dabei die Verantwortung, dass dies auch tatsächlich erfolgt. Ein/e Mitarbeiter/-in des Teams kann dabei z.B. als „Anti-Bias-Beauftragte“ fungieren und bringt das Thema regelmäßig als TOP bei den Teambesprechungen ein, dokumentiert aktuelle Anliegen und ist erste/r Ansprechpartner/-in für Kollege/-innen und Eltern. Die Kita-Leitung sorgt darüber hinaus dafür, dass im Team in einer offenen Atmosphäre Formen von Privilegierung und Benachteiligung besprechbar sind, ggfs. mit Unterstützung externer Supervision oder Beratung.
2. Beobachten und Dokumentieren
Im Team werden Methoden der Beobachtung und Dokumentation eingesetzt (siehe Dokumentation über die pädagogische Arbeit im Projekt). Sie dienen der fortlaufenden Überprüfung der pädagogischen Arbeit im Hinblick auf die Ziele und Prinzipien vorurteilsbewusster Arbeit. Werden die thematischen Schwerpunkte, die z. T. in den Entwicklungswerkstätten bearbeitet wurden, weiterhin behandelt? Werden diese Themen regelmäßig bei den Teamsitzungen besprochen? Wie wird die laufende Arbeit dazu dokumentiert?
- „Familienkulturen sichtbar machen“:
Finden Erzieher/-innen Wege, wie sie die unterschiedlichen Vorstellungen der Familien über Erziehung und Bildung in Erfahrung bringen können und wie individuelle Familienkulturen thematisiert und positiv dargestellt werden können? Werden die Kinder darin unterstützt auf ihre Familie stolz zu sein und zu ihr zu stehen? Werden die Eltern stärker in die Arbeit der Kitas einbezogen und eingeladen sich zu beteiligen?
- „Materialien und Raumgestaltung für vorurteilsbewusstes Lernen“:
Berücksichtigen alle Mitarbeiter/-innen die Prinzipien für die Auswahl von Materialien sowie die Raumgestaltung?
- „Mehrsprachigkeit fördern“:
Wird die sprachliche Entwicklung als Teil aller Handlungs-, Erlebnis- und Erfahrungsbereiche im Kinderleben und im Kindergartenalltag gesehen? Sind alle Familiensprachen der Kinder bekannt und repräsentiert? Werden Eltern mit ihren Kompetenzen und Ressourcen in die gemeinsame sprachliche Förderung der Kinder einbezogen?
3. Analysieren und Reflektieren
Werden die festgehaltenen Beobachtungen und Dokumentationen systematisch ausgewertet? Werden dabei alle Schwerpunktthemen berücksichtigt? Erfolgt diese Auswertung gemeinsam? Gibt es regelmäßige Teamtreffen zur Reflexion? Gibt es dabei kritische Punkte? Wie werden diese bearbeitet? Wird durch die Analyse und Reflexion ein Handlungsbedarf festgestellt?
4. Gestalten und Verändern
Welche konkreten Maßnahmen sollen aufgrund eines festgestellten Handlungsbedarfes durchgeführt werden? Sind dazu noch zielgerichtete Fortbildungen erforderlich?
Gibt es ein externes Unterstützungssystem? Welche Vernetzungsstrukturen helfen bei der Weiterentwicklung (z.B. Fachberater/-innen der Träger etc.)?
Welche Weiterentwicklungen von inhaltlichen Bausteinen und methodischen Einheiten stehen bereits an? Hier sind folgende drei Bereiche benannt:
- Vorurteilsbewusste Arbeit mit „Persona Dolls“:
Jedes Team hat zwei auf seine Kita zugeschnittene Identitäten von „Persona Dolls“ entwickelt. Das Arbeiten mit „Persona Dolls“ erfordert einige Übung und sorgfältige pädagogische Vorbereitung. Deshalb sollte der vorurteilsbewusste Umgang mit den Puppen unter Anleitung vor einem Einsatz trainiert werden. Eine Auswertung der gemachten Erfahrungen kann sowohl im Team als auch bei Leiterinnentreffen erfolgen.
- Vorurteilsbewusste Arbeit mit Bilderbüchern:
Neben einer Empfehlungsliste zur Buchauswahl wurde für jede Kita ein eigener Bücherkoffer zusammengestellt mit mehrsprachigen Büchern der jeweiligen Familiensprachen, die sich sowohl durch Kriterien vorurteilsbewussten Lernen als auch durch mehrsprachige pädagogische Angebot auszeichnen. Die Teams erproben die Bücher im Kindergartenalltag und leihen sie dann an die Eltern aus, damit sie diese zu Hause mit den Kindern lesen. Hier ist festzuhalten, wie mit den Bücherkisten gearbeitet wurde? Gab es dabei muttersprachliche Kräfte zur Unterstützung?
- Erziehungszusammenarbeit mit Eltern verbessern:
Der durch das Projekt angeregte vorurteilsbewusste Dialog sowohl von Familien untereinander als auch zwischen Eltern und Kita-Teams soll weiterhin stattfinden. Besonders der Beginn eines neuen Kindergartenjahres mit neuen Familien und veränderten Kindergruppen stellt eine große Herausforderung für alle dar. Es ist zu prüfen in wie weit die Kita-Teams insbesondere für diese Zeit noch externe Unterstützung benötigen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Aufnahmegespräch als Erstkontakt mit den Eltern. Es sollte besonders intensiv vorbereitet werden.
Grundsätzlich ist zu klären, ob im Zuge der anstehenden Maßnahmen Veränderungen der Rahmenbedingungen erforderlich werden, bzw. möglich sind.
5. Evaluieren
Wie wird die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen/ Veränderungen überprüft?
Gibt es eine Entwicklungsbeobachtung der Kinder?
Wird die Zufriedenheit der beteiligten pädagogischen Fachkräfte, der Leiter/-innen und der Eltern gemessen und wenn ja, wie? Gibt es Beratungsbedarf bei den einzelnen Beteiligten?
Wie bewertet das Team die erzielten Ergebnisse? Wird bei der Bewertung Fortbildungsbedarf vom Team/ von einzelnen Mitarbeiter/-innen benannt? Werden weitere Themen benannt, die bisher noch nicht behandelt wurden?
Wie bewerten die Kita-Leiter/-innen die Ergebnisse? Sind einzelne Ergebnisse (z.B. Methoden, Materialien) auf andere Kitas übertragbar?
Wie bewerten die Eltern die Ergebnisse? Welche Anregungen / Wünsche haben sie?
Bonn im Juli 2009
Mechthild Kleine-Salgar, Marlies Wehner
Grundlegendes Ziel der Zusammenarbeit mit den Projekt-Kitas ist es, Prinzipien vorurteilsbewussten Lernens in der pädagogischen Arbeit zu verankern und dabei pädagogische Fachkräfte, Kinder und ihre Familien an einem gemeinsamen Entwicklungsprozess zu beteiligen. Aufgrund des einrichtungsspezifischen und teambezogenen Qualifizierungsansatzes erfolgte eine intensive Begleitung während der bisherigen Projektphasen.
Folgende aufeinander aufbauende Entwicklungsschritte sind zentrale Projektstationen:
- Fortbildungseinheiten für Kita-Teams zur Selbstreflexion,
- Entwicklungswerkstätten, in denen Erkenntnisse auf den Kita-Alltag übertragen werden,
- Elternarbeit, die analog zu den thematischen Schwerpunkten erfolgt,
- Leiter/-innen-Fortbildungen zu spezifischen Fragen,
- ergänzendes Beratungsangebot durch eine „Interkulturelle Hotline“,
- Verfestigung der Ergebnisse aus den genannten Arbeitsschritten durch strukturelle, organisatorische und pädagogische Einbindung in den Kita-Alltag.
Nach erfolgreicher Implementierung des pädagogischen Konzeptes ist die Sicherung der Nachhaltigkeit vorrangige Aufgabe. Hier wird den Kita-Teams bzw. den Leitungen die Umsetzung verantwortlich übertragen.
Ein Vorgehen in 5 Qualifizierungsschritten bietet sich als Handlungsleitfaden für die Kita-Teams an:
1. Zielsetzung und Rahmenbedingungen
Von den Kita-Teams ist auch nach erfolgter Einführung des Anti-Bias-Ansatzes von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob dieses Konzept weiterhin Gültigkeit haben soll oder ob sich wesentliche Voraussetzungen für seine Umsetzung verändert haben. Arbeitet das Team noch nach den einmal vereinbarten Grundsätzen?
Der Anti-Bias-Ansatz basiert auf einer intensiven Dialogkultur und erfordert somit auch Zeit und Raum für die Durchführung von Dialogen zwischen den Beteiligten. D.h. für den Kita-Alltag: Es braucht eine feste Struktur, zeitliche und personelle Ressourcen, die einen regelmäßigen Austausch ermöglichen. Die Kita-Leitung übernimmt dabei die Verantwortung, dass dies auch tatsächlich erfolgt. Ein/e Mitarbeiter/-in des Teams kann dabei z.B. als „Anti-Bias-Beauftragte“ fungieren und bringt das Thema regelmäßig als TOP bei den Teambesprechungen ein, dokumentiert aktuelle Anliegen und ist erste/r Ansprechpartner/-in für Kollege/-innen und Eltern. Die Kita-Leitung sorgt darüber hinaus dafür, dass im Team in einer offenen Atmosphäre Formen von Privilegierung und Benachteiligung besprechbar sind, ggfs. mit Unterstützung externer Supervision oder Beratung.
2. Beobachten und Dokumentieren
Im Team werden Methoden der Beobachtung und Dokumentation eingesetzt (siehe Dokumentation über die pädagogische Arbeit im Projekt). Sie dienen der fortlaufenden Überprüfung der pädagogischen Arbeit im Hinblick auf die Ziele und Prinzipien vorurteilsbewusster Arbeit. Werden die thematischen Schwerpunkte, die z. T. in den Entwicklungswerkstätten bearbeitet wurden, weiterhin behandelt? Werden diese Themen regelmäßig bei den Teamsitzungen besprochen? Wie wird die laufende Arbeit dazu dokumentiert?
- „Familienkulturen sichtbar machen“:
Finden Erzieher/-innen Wege, wie sie die unterschiedlichen Vorstellungen der Familien über Erziehung und Bildung in Erfahrung bringen können und wie individuelle Familienkulturen thematisiert und positiv dargestellt werden können? Werden die Kinder darin unterstützt auf ihre Familie stolz zu sein und zu ihr zu stehen? Werden die Eltern stärker in die Arbeit der Kitas einbezogen und eingeladen sich zu beteiligen?
- „Materialien und Raumgestaltung für vorurteilsbewusstes Lernen“:
Berücksichtigen alle Mitarbeiter/-innen die Prinzipien für die Auswahl von Materialien sowie die Raumgestaltung?
- „Mehrsprachigkeit fördern“:
Wird die sprachliche Entwicklung als Teil aller Handlungs-, Erlebnis- und Erfahrungsbereiche im Kinderleben und im Kindergartenalltag gesehen? Sind alle Familiensprachen der Kinder bekannt und repräsentiert? Werden Eltern mit ihren Kompetenzen und Ressourcen in die gemeinsame sprachliche Förderung der Kinder einbezogen?
3. Analysieren und Reflektieren
Werden die festgehaltenen Beobachtungen und Dokumentationen systematisch ausgewertet? Werden dabei alle Schwerpunktthemen berücksichtigt? Erfolgt diese Auswertung gemeinsam? Gibt es regelmäßige Teamtreffen zur Reflexion? Gibt es dabei kritische Punkte? Wie werden diese bearbeitet? Wird durch die Analyse und Reflexion ein Handlungsbedarf festgestellt?
4. Gestalten und Verändern
Welche konkreten Maßnahmen sollen aufgrund eines festgestellten Handlungsbedarfes durchgeführt werden? Sind dazu noch zielgerichtete Fortbildungen erforderlich?
Gibt es ein externes Unterstützungssystem? Welche Vernetzungsstrukturen helfen bei der Weiterentwicklung (z.B. Fachberater/-innen der Träger etc.)?
Welche Weiterentwicklungen von inhaltlichen Bausteinen und methodischen Einheiten stehen bereits an? Hier sind folgende drei Bereiche benannt:
- Vorurteilsbewusste Arbeit mit „Persona Dolls“:
Jedes Team hat zwei auf seine Kita zugeschnittene Identitäten von „Persona Dolls“ entwickelt. Das Arbeiten mit „Persona Dolls“ erfordert einige Übung und sorgfältige pädagogische Vorbereitung. Deshalb sollte der vorurteilsbewusste Umgang mit den Puppen unter Anleitung vor einem Einsatz trainiert werden. Eine Auswertung der gemachten Erfahrungen kann sowohl im Team als auch bei Leiterinnentreffen erfolgen.
- Vorurteilsbewusste Arbeit mit Bilderbüchern:
Neben einer Empfehlungsliste zur Buchauswahl wurde für jede Kita ein eigener Bücherkoffer zusammengestellt mit mehrsprachigen Büchern der jeweiligen Familiensprachen, die sich sowohl durch Kriterien vorurteilsbewussten Lernen als auch durch mehrsprachige pädagogische Angebot auszeichnen. Die Teams erproben die Bücher im Kindergartenalltag und leihen sie dann an die Eltern aus, damit sie diese zu Hause mit den Kindern lesen. Hier ist festzuhalten, wie mit den Bücherkisten gearbeitet wurde? Gab es dabei muttersprachliche Kräfte zur Unterstützung?
- Erziehungszusammenarbeit mit Eltern verbessern:
Der durch das Projekt angeregte vorurteilsbewusste Dialog sowohl von Familien untereinander als auch zwischen Eltern und Kita-Teams soll weiterhin stattfinden. Besonders der Beginn eines neuen Kindergartenjahres mit neuen Familien und veränderten Kindergruppen stellt eine große Herausforderung für alle dar. Es ist zu prüfen in wie weit die Kita-Teams insbesondere für diese Zeit noch externe Unterstützung benötigen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Aufnahmegespräch als Erstkontakt mit den Eltern. Es sollte besonders intensiv vorbereitet werden.
Grundsätzlich ist zu klären, ob im Zuge der anstehenden Maßnahmen Veränderungen der Rahmenbedingungen erforderlich werden, bzw. möglich sind.
5. Evaluieren
Wie wird die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen/ Veränderungen überprüft?
Gibt es eine Entwicklungsbeobachtung der Kinder?
Wird die Zufriedenheit der beteiligten pädagogischen Fachkräfte, der Leiter/-innen und der Eltern gemessen und wenn ja, wie? Gibt es Beratungsbedarf bei den einzelnen Beteiligten?
Wie bewertet das Team die erzielten Ergebnisse? Wird bei der Bewertung Fortbildungsbedarf vom Team/ von einzelnen Mitarbeiter/-innen benannt? Werden weitere Themen benannt, die bisher noch nicht behandelt wurden?
Wie bewerten die Kita-Leiter/-innen die Ergebnisse? Sind einzelne Ergebnisse (z.B. Methoden, Materialien) auf andere Kitas übertragbar?
Wie bewerten die Eltern die Ergebnisse? Welche Anregungen / Wünsche haben sie?
Bonn im Juli 2009
Mechthild Kleine-Salgar, Marlies Wehner




Hier (2366kB)